Wir freuen uns, Ihnen nun einen kurzen historischen Abriss der Geschichte unseres OGV Stromberg geben zu können, frei nach dem Titel:

 

Der OGV Stromberg im Wandel der Zeiten

 

Die ersten 25 Jahre von 1912 bis 1937

Aufbruch in unruhige Zeiten

Als 1912 der OGV gegründet wurde, war Vereinsführung für viele Stromberger noch Neuland.

Da waren uns die Lehrer der Landwirtschaftsschule eine wertvolle Hilfe. Nennen möchten wir
stellvertretend Herrn Dr. Krogmann, seines Zeichens Direktor der Landwirtschaftsschule hier
in Stromberg und Herrn Gartenbaulehrer Heinrich Schmitt.

Damals drehte sich alles um den Obst- und Gemüseanbau, um den Bauern ein weiteres finanzielles Standbein zu geben und die Besitzer von Privatgärten zu informieren.  

Nach wenigen Jahren zählte der OGV bereits über 170 Mitglieder und Mitgliedsbeitrag lag bei drei Reichsmark.

Zu dieser Zeit waren es hauptsächlich Männer, die sich im OGV zusammen fanden.  

In den Versammlungen wurde sehr viel Fachwissen vermittelt. Zu den Themen zählten: jahreszeitlich richtiges Pflanzen, Auswahl ertragreicher Sorten, richtige Düngung  und der Bekämpfung von Schädlingen. Auch der Absatz der Produkte (in der Hauptsache Äpfel und Pflaumen) wurde gefördert.

Gartenbauinspektor Lenders von der Landwirtschaftsschule lehrte den Frauen der Mitglieder die optimale Nutzung der Gemüsegärten. Ansonsten waren es (wie schon erwähnt) nur wenige Frauen, die im Verein aktiv auftraten.  

Die Jahre 1914 – 1918 waren auch unserer Region geprägt von den Kriegsvorbereitungen und
den späteren Kriegswirren. Viele der Mitglieder mussten in den Krieg, viele kamen nicht zurück,
die Bevölkerung in den Städten hungerte. Es waren nun die Frauen, die die Versorgung der Familien
durch die Erträge aus Ihren Gärten und der Obsternte sicher stellen mussten.  

Es ist unter anderem belegt, dass im Kriegsjahr 1916 fünfzig Zentner trockene Pflaumen an die Hungernden im Ruhrgebiet geliefert wurden.  

Eine große Ausstellung mit Gemüse, frischem Obst und auch Eingemachtem fand im Jahr 1921 im Saale Stanlein statt. 

Im Jahr 1922 wechselte der Vorsitz des OGV an Herrn Schmitt, der für sechs Jahre die Geschicke des Vereines leitete. Ihm folgte Dr. Lammert von 1928 bis 1930.

Wer in den alten Protokollen nachliest, der wird feststellen, dass der Verein einem wichtigen Zweck diente, dieser Zweck war die ausreichende Versorgung und der Verkauf von Obst.  

Durch das Wirken in der Öffentlichkeit, z. B. die Ausstellung 1921 der Obst- und Gartenerzeugnisse, Eingemachtes, Haushaltsführung, Gartenbewirtschaftung unter vieles mehr erhielten nun auch die Frauen langsam die Akzeptanz und Achtung, die ihnen gebührte. 

Neben den Stromberger Vorstandsmitgliedern waren die Lehrer der Landwirtschaftsschule bis Ende der 20er Jahre eine wichtige Stütze des Vereines. 

1929 ist die Landwirtschaftsschule nach Neubeckum verlagert worden, ein Verlust für Stromberg und auch für unseren Verein.  

Rektor Thiering trat 1930 den Vorsitz des OGV an und hat (wie auch seine Mitstreiter) in seiner 30 jährigen Amtszeit bis 1960 zahlreiche Veränderungen in der Welt und auch im Verein erlebt.  

Mitte der 30er Jahre übernahmen die Nationalsozialisten mehr und mehr die Macht in Deutschland und auch der Obst- und Gartenbau war geprägt von „Erzeugerschlachten“ und „Planwirtschaft“.  

Das Archivmaterial aus dieser Zeit ist voll von Hinweisen auf staatliche Willkür.  

Der Schwerpunkt der Versammlungen und Vorträge lag schlichtweg bei dem Wunsch der Staatsgewalt, möglichst viel Obst und Gemüse zu produzieren. Dünger und Mittel gegen Schädlinge wurden in großem Stil eingesetzt.  

Umweltschutz war damals noch ein Fremdwort und auch die Vortragenden bei den Jahreshaupt-versammlungen drängten auf immer höhere Erträge für Volk und Vaterland. 

Was folgte, war die uns allen bekannte dunkle Zeit des 2. Weltkrieges, der viele entbehrungsreiche Jahre und Veränderungen brachte. 

 

Die Jahre 1937 bis 1962

Der Krieg und die Zeit danach 

Viele von uns werden sich noch an die Kriegsjahre erinnern, einige sogar noch als Soldaten.  

Der Krieg veränderte die Menschen und auch die Produktion von Nahrungsmitteln wurde dem großen Ziel unterstellt.  

Männer und Söhne waren an der Front. Frauen arbeiteten in Haus, Garten und in den Fabriken, Mädchen wurden im BMD auf Ihre späteren Aufgaben vorbereitet. 

In den ersten Jahren war alles gut, die Produktion von Lebensmitteln lief auf Hochtouren und für Nachschub sorgten „Ablieferungszwang“ und „Kontrollen“.  

In den letzten Kriegsjahren aber herrschte Hunger in vielen Städten und Regionen.  

Auch wir hatten Schwierigkeiten, den Verein aktiv zu gestalten, es fehlte an Platz für die Versammlungen, da viele Säle mit Flüchtlingen belegt waren. Es fehlte an Mitgliedern.  

Erst Anfang der 50er Jahre besserte sich die Lage und man konnte zur normalen Vereinsarbeit zurückkehren.

In diesen Jahren war der Verein hauptsächlich damit beschäftigt, die Mitglieder in Obst- und Gartenbau zu  unterweisen, die Gemeinschaft wieder aufzubauen.  

Regelmäßige Versammlungen und Blütenfeste wurden wieder organisiert.  

Die Vorstände wurden weiterhin von Männern gestellt. Frauen fand man nicht in der Leitung des Vereins.  

Die Währungsreform brachte Aufschwung, auch für uns.

Landwirtschaftliche Erzeugnisse und vor allem das Obst wurden zu guten Preisen verkauft. Die harte D-Mark wurde ein Markenzeichen für Deutschland. Gutes Geld floss in unser Dorf.  

Im Verlauf der 50er Jahre endete der Höhenflug der Preise und man kehrte zu normalen Notierungen zurück.  

Die Versammlungen des OGV waren gut besucht, fast jeder hatte Obstbäume, fast jeder hatte ein Stück Garten und man versuchte, durch gute Pflege ordentliche Erträge zu erzielen.  

Leider ließ die Organisation des Absatzes einiges zu wünschen über. Die ortsansässige Genossenschaft konnte die Aufgaben nur zum Teil erfüllen.  

Die Jahre zogen ins Land und das Wirtschaftswunder in Deutschland nahm seinen Lauf. Viele Arbeitswillige wanderten zu und sind zum Teil auch unserem Verein beigetreten.  

Im Jahre 1962 konnte der Obst- und Gartenbauverein sein 50 jähriges Jubiläum feiern. 

 

Die Jahre 1962 bis 1987

Wandel in die Moderne

Die Zeiten änderten sich, während Anfang der  60. Jahre noch alle bemüht waren, Erträge aus dem Obstbau zu erzielen; wurden später leider mehr und mehr Bäume gerodet und der Obstbau reduziert. Es lohnte sich einfach nicht mehr.  

In der Industrie (Holz, Metall usw.) wurden gute Löhne gezahlt und viele der kleineren Obstbauern wanderten in die Industrie ab.

Die Pflege und Kultivierung der Obstbaumbestände wurde eingeschränkt.   

Aber um nicht falsch verstanden zu werden:

auch heute noch gibt es zahlreiche Familien und Landwirte, die auch kleinere Mengen, speziell Pflaumen, produzieren und vermarkten.  

Der heimische Nutzgarten war aber immer noch sehr wichtig und als tägliche Nahrungsquelle unerlässlich.  

Langsam änderten sich aber Lebens- und Kaufgewohnheiten.  

Junge Menschen hatten nur noch wenig Zeit für den aktiven Nutzgarten, es waren mehr und mehr die älteren Menschen, die in den Gärten arbeiteten.

Der kommerzielle Obstbau wurde ein zentrales Thema. Größere Flächen ohne Doppelnutzung wurden die Regel.

Es mussten Mengen in guter Qualität produziert werden, um auf den Märkten bestehen zu können.

Wie bei vielen Vereinen, hat auch der OGV in den 70er und 80er Jahren Mitglieder verloren.  

Ältere Mitglieder schieden aus, junge Mitglieder zogen weg und andere junge Menschen waren nicht zu bewegen, ihre Freizeit in die Vereinsarbeit zu investieren. 

Man befürchtete das Ende des Vereins und dachte auch an das Zusammengehen mit dem Heimatverein.  

Mit diesem Phänomen der Nachwuchssorgen hatten und haben sehr viele Vereine zu kämpfen.  

Langsam veränderte sich auch die Struktur unseres Vereins, mehr und mehr Frauen traten dem OGV bei; auch die Themen der Vorträge wechselten.  

Während in der Vergangenheit Pflanzenzucht, Düngung, Schädlingen und Konservierung zentrale Punkte waren, wurden in den 80er Jahren Themen wie ökologischer Anbau und Ziergärten mehr und mehr.

Auch gemeinsame Aktivitäten und Reisen außerhalb des Gartenbaus bereicherten das Vereinsleben.

Blütenfeste, Jahreshauptversammlungen, Rad-Touren, Tagesausflüge wurden zu einem festen Teil der Jahresplanung.

In den Jahren 1967 bis 1988 führte Josef Kaup die Geschicke des Vorstandes.  

 

Die Jahre 1987 bis 2012

Der Blick in die Zukunft

Die letzten 25 Jahre brachten zahlreiche Veränderungen in der großen Welt, aber auch in unserem Dorf und unserem OGV. 

Deutschland wurde wiedervereint, Anfang der 90er Jahre brummte die Wirtschaft und Freizeit wurde für alle immer wichtiger.  

Unser Verein hat diese Jahre sehr gut durchlebt; wir konnten uns in zahlreiche Projekte einbringen,
nennen möchte ich nur die Landesgartenschau 2001 in Oelde.

Für 16 Jahren von 1988 bis 2004 war Franz-Josef Grebenstein Vorsitzender. Seit 2004 leitet Franz Vogel die Geschicke des Vereins. 

Das gemeinsame Erleben bei Tagesausflügen und Radtouren in die Region, das gemeinsame Erleben

beim Blütenfest und der Jahreshauptversammlung, die zahlreichen Vorträge und Gartenbesichtigungen,
all das wird heute in unserem Verein gelebt.  

Mittlerweile haben sich das Bild und die Aufgaben des OGV geändert; früher waren die Schwerpunkte beim Nutzgarten, bei Obstbau, Gemüse und Eingemachtem, heute sind es die Ziergärten, Gartenanlagen, Teichanlagen und das gesellige Beisammensein.  

Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt; die Kassenlage ist zufriedenstellend,
die Versammlungen werden von zahlreichen Mitgliedern besucht und auch zahlreiche Neuanmeldungen können wir verbuchen.
 

Er ist gelungen, der Wandel von dem reinen Männerverein mit dem wirtschaftlichen Schwerpunkt, hin zu einem offenen Verein mit zahlreichen Frauen auch mit Vorstandsaufgaben.  

Wir haben aktuell weit über 180 Mitglieder und noch sehr viele Ideen und Wünsche.  

Aber einiges bleibt auch unverändert: Im Jahr 1912 betrug der Mitgliedsbeitrag drei Reichsmark und das macht heute im Jahr 2012 einen Wert von exakt zehn Euro aus.